Kirchen- und Pfarrhausentstehung

 

Diese schlichte spätbarocke Heiligkreuz-Kirche, die sich uns seit 2007 wieder in weitgehend restaurierter Erscheinung aber auch mit neuen Akzentsetzungen im Inneren präsentiert, wurde vor 250 Jahren an Stelle einer erheblich älteren und kleineren Kirche neu erbaut, wie u. a. die Jahreszahl 1767 über dem Eingang ausweist. Jenes vorhergegangene, ursprüngliche Kirchlein, exponiert auf dem nach Osten zur Steinach hin vorspringenden Bergsporn des Sändels, das dem Heiligen Kreuz geweiht war, hat auch der darum herum entstehenden Siedlung ihren Namen gegeben: Heiligkreuz   –(über der)- Steinach. Diese fruhere Heiligkreuz-Kirche war zunachst einmal etwa 500 Jahre lang die Pfarrkirche fur die Leute der Hirschberg-Strahlenbergischen Rodungssiedlungen um das mittlere Steinachtal, der nachmaligen kurpfälzischen Kellerei Waldeck, gewesen: Von den Anfangen an, als es noch allein die Romische Kirche gab, war das Kirchlein katholisch. Als bei uns dann 1556 die Reformation eingeführt wurde und die Kurpfälzer die neue Konfession annahmen, wurde auch dieses einzige Kirchlein für den evangelischen Gottesdienst umgerüstet und sollte nun für 150 Jahre protestantisches Gotteshaus bleiben, bis es im Zuge der Pfalzischen Kirchenteilung 1707 dann allein den Katholiken der 1699 neu eingerichteten und der Katholischen Pfarrei Heiligkreuzsteinach zufiel. Erst von da an hat es hier zwei Pfarreien gegeben.


Aber!
Dieses alte Heiligkreuz-Kirchlein, das da vor nunmehr 310 Jahren ganz den Katholiken zugefallen war, war wahrhaftig kein Prunkstuck! Kirche und Pfarrhaus müssen in einem unglaublich erbärmlichen Zustand gewesen sein und wollten so gar nicht dem Bild der wieder erstarkenden, gegenreformatorischen Romischen Ecclesia Triumphans" (triumphierenden Kirche) entsprechen. Natürlich waren an jener früheren Heiligkreuz-Kirche im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Instandsetzungs-, Erhaltungs-, Erneuerungs- und Erweiterungsarbeiten vorgenommen worden, aber in den Not- und Mangelzeiten des 17. Jhd. war es offenbar nicht möglich gewesen, die erheblichen Beschädigungen während des 30 jährigen Kriege und durch die Franzosen während des Pfalzischen Erbfolgekrieges besonders in den Dachbereichen gerade einmal mehr als not dürftig auszubessern. Dadurch wurde allmählich die Bausubstanz angegriffen und gefährliche Zerfallserscheinungen waren nicht mehr zu übersehen. Nachdem das Kirchlein im 18. Jhd. dann eine Reliquie, einen Splitter vom Heiligen Kreuze Jesus bekommen hatte (heute als Wetterkreuz" in einer Rokoko-Monstranz gefasst), hatte es offenbar trotz seines erbarmungswürdigen Zustandes an Ansehen und Anziehungskraft gewonnen, und es etablierte sich für einige Jahrzehnte eine recht lebhafte, regionale Wallfahrt dahin. An Festtagen, bes. am Patroziniumsfest (17. September, Kirchweihfest) verbunden mit dem groBen Ablass kamen die Gläubigen so zahlreich, dass viele keinen Platz in dem alten, kleinen Kirchlein fanden und bei Wind und Wetter auf den Kirchhof ausweichen mussten. Der Pfarrer sah sich genötigt, Helfer anzustellen, die im Pfarrhaus untergebracht werden mussten.



Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war der Ruin an den Gebäuden dann so weit fortgeschritten, dass man einsehen musste, dass da nichts mehr zu reparieren und zu retten wäre und man von Grund auf neu bauen musste, damit, nicht am Ende noch Gottesdienstbesucher sogar bei ruhigem Wetter durch einstürzendes Mauerwerk eventuell erschlagen wurden" (so der damalige kath. Pfarrer Petrus Strieder). Schließlich einigten sich die baupflichtigen Parteien, die Geistliche Administration der Kurpfalz für das Langhaus und das Domkapitel Worms für den Chorbereich, auf ein von Grund auf neues Konzept, und es entstand vor 250 Jahren das erheblich spätbarocke Ensemble von Gottes- und Pfarrhaus, schlicht und doch eindrucksvoll harmonisch, wie wir es heute betrachten können!

 

(Übernommen von Heiner Simon, Heiligkreuzsteinach)