Kirche Wilhelmsfeld

 

Da sich das erzbischöfliche Ordinariat wegen des akuten Priestermangels nicht mehr in der Lage sah, die Kuratie Wilhelmsfeld mit einem eigenen Pfarrkuraten zu besetzen, wurde nach dem Weggang von Pfarrer Josef Jiran der Heiligkreuzsteinacher Pfarrer Alwin Schneider zur Mitverwaltung der Gemein­de Wilhelmsfeld bestellt. Seither sind die Pfarrer von Heiligkreuzsteinach als Pfarradministratoren gleichzeitig Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Wilhelmsfeld, womit die Wilhelmsfelder Katholiken wieder in den Schoß ihrer einstigen Muttergemeinde zurückgekehrt sind. Hatten unter Pfarrer Nicol be­reits Pläne bestanden, die recht kleine, inzwischen wieder feucht gewordene und nur schwer heizbare Kapelle, deren Dachstuhl zudem erneuerungs­bedürftig war, zu vergrößern und um einen Gemeindesaal zu erweitern, so kamen diese Pläne erst unter der Ägide von Pfarrer Alwin Schneider zur Durchführung, der sich dem Neubau mit besonderem Eifer widmete. Als Architekt wurde Dipl.-Ing. Rainer Disse aus Karlsruhe bestellt, der bereits die neue Michaelskirche von Altenbach und das Wilhelmsfelder Pfarrhaus geplant hatte. Als Architekt der Kirche auf dem Feldberg im Schwarzwald, des Gotteshauses der Schwarzwaldgemeinde Homberg und anderer sakraler Bauten, zählt er zu den renommierten Kirchenarchitekten im südwestdeutschen Raum.

In seinem Entwurf wurden Teile der neugotischen Kapelle in den Neubau mit einbezogen. Apsis, Südwand und Westwand blieben als Sandsteinwände erhalten. Die Nordwand wurde abgerissen, um den Kirchenraum nach Norden hin zu erweitern. Ihre Buntsandsteine wurden zum Verschließen der neugotischen Spitzbogenfenster und des ehemaligen Kirchenportals sowie zur Verlängerung der Westwand verwendet. Die neuen nördlichen und östlichen Außenwände wurden aus Leichtbeton mit großen Fensteröffnungen erstellt, so dass die Natur der schönen Mittelgebirgsumgebung heute wie ein großes Bild in den Kirchenraum hereinschaut.

Anstelle des alten, maroden Dachstuhls erhielt der neue Kirchenraum ein flaches, pagodenförmiges Dach, das im Süden und Westen über einem umlau­fenden Lichtband aus Schmelzglas auf kleinen Betonsäulchen aufliegt. Über der Apsis sorgt ein Laternenaufbau für eine effektvolle Beleuchtung des Altarraumes.

Der gesamte Innenraum präsentiert sich dem Kirchenbesucher licht, offen und einladend. Im Sinne der Liturgieerneuerung durch das 2. Vatikanische Konzil der Jahre 1962 bis 1965 ist die Bestuhlung fächerförmig auf die Altarinsel aus­gerichtet, um die Gläubigen intensiver in das liturgische Geschehen einzu­binden. Auch der sechseckige Altartisch kann bei Taufen, Erstkommunionen und anderen Feierlichkeiten von kleineren feiernden Gemeinden umstanden werden und bildet dann den zentralen Mittelpunkt.

Auf Kirchenbänke mit stationärem Kniebrett wurde verzichtet. Dafür sind die Stühle mit klappbaren Kniebänkchen versehen.

Altar, Tabernakel, Ambo, Kreuzstele, Apostel- und Osterleuchter sowie die Schmelzglasfenster stammen aus der Hand des Glaskünstlers Florian Lechner aus Steinach bei Nußdorf am Inn. In einem der Apostelleuchter ist eine Ge­denkinschrift an den im November 1975 verstorbenen Künstler Joseph Lasalle eingeritzt.